April-Mai 2026, Doppelausgabe 311+312
Ist mit 40 Seiten online am 1.6.2026 erschienen, gedruckt wegen der Feiertage am 9.6.2026
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EDITORIAL
Bildinhalte sind kaum verstehbar ohne Kontext; „einfach nur so“ anschauen, läßt einen so manches übersehen, wenn Allgemeinwissen fehlt, Hintergrundinformationen nicht vorhanden sind oder gezielt nicht mitgeteilt werden. Ein kürzlich bei einer Taxierung vorgelegtes Gemälde aus den 1920er Jahren in spätsommerlichen Farben, das Feldarbeiter in gelb-bräunlicher Arbeitskleidung bei der Heuernte zeigt, wirkte auf den ersten Blick stimmungsvoll, dann jedoch zunehmend stereotyp, denn zwei Bildinhalte machten stutzig: Derartige, weniger Kraft erfordernde, wohl jedoch auch anstrengende Arbeit, wurde meistens von Frauen verrichtet. Und die entsprechende, weit verbreitete Arbeitskleidung war blau („Blaumann“), selbst noch, als es schon synthetische Gewebe gab. Kostümkundliches Wissen ist also nicht von ungefähr immer mehr gefragt, als Anregung in eigenen Kleidungsdingen, aber besonders
auch als Quelle und Datierungshilfe.
Eine Menge Hintergrundwissen verschiedenster Quellen ist in dem neuen Band des Archäologischen Parks Xanten zum Thema Ackerbau und Landleben in den römischen Nordwestprovinzen zusammengestellt (s. auch S. 6), das ein ganz anderes Bild von römischer Kultur außerhalb Italiens vermittelt, als herablassende Bewertungen aus der Klassischen Archäologie vermuten lassen, in denen die nordweströmischen Provinzen schon gerne als „provinziell“ abgetan werden.
Mit Klischees räumt auch das Museum Burg Zug/CH auf; denn „finstertes Mittelalter“ ist ein umgangssprachliches Idiom, das historisches Wissen ausblendet und einfach nur salopp dahergesagt ist, um als Metapher für Absurdes herzuhalten. Nötiges Licht bringt die dortige Ausstellung ins Dunkel (mehr dazu auf S. 5).
Von außen besehen, mag es oft nur um Kleinigkeiten gehen, doch in der Summe bestätigt sich, genau hinzusehen und dem flüchtigen Augenschein nie zu trauen.
In diesem Sinne eine anregende Lektüre!
Adelheid Straten
INHALT
4-6 Nachrichten aus der Museumswelt
6 Literatur
7 Namen
Konservierung/Restaurierung
8-11 „Gute RestauratorInnen werden auch in Zukunft ihre Erkenntnisse nicht für sich behalten“. Ein Interview mit Paul-Bernhard Eipper
12-16 İrem Güler
Die Entwicklung der Musealisierung und Konservierung in der Türkei
Neue Wege für Museen
17-20 Ludwig F. Dolata
Museen als Wohlfühlorte. Fühlbarer Wechsel von linearer zu zirkulärer Zeitvorstellung
21-25 Monika von Pechmann
Diözesanmuseum Freising: Die Rolle des Lichts bei der Neugestaltung
26-29 Johannes Beer
Das „Archäologische Fenster am Münster“ in Herford
30-36 Beate Kaiser; Markus Walz
Postdigitale Museologie. Abschied von der Positiven Museologie
37 AutorInnen | Impressum
38-39 Wichtige Ausstellungen
ZUM TITELBILD
Grün und mit besonderer Betonung des eigentlichen Eingangs: Siegerentwurf von Selldorf Architects für den neuen Mona Lisa-Zugang des Louvre, intern bezeichnet als „Projet Nouvelle Renaissance“, zusammen mit STUDIOS Architecture und BASE Paysagiste.
Links unten der neue Zugang für Selfianer. Integriert wurde selbstverständlich auch ein Museumsshop und ein Schnellrestaurant. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von EXPOTIME!.
Rendering: Vincent Atelier.
SELLDORF ARCHITECTS
860 Broadway at Union Square
New York, NY 10003
T. 212.219.9571

